Sonntag, 27. September 2015

Mit ausgebreiteten Armen



Manchmal vergeht unbegreiflich viel Zeit, bis einem ein Licht aufgeht, eine Lösung gefunden, eine Erleichterung geschaffen ist für ein bestimmtes Problem. Es kann Jahre dauern, bis  ein imprägniertes Segeltuch über einer Sitzecke auf der Terasse gespannt wird,  ein Sofa vor den Kamin gerückt wird, der jahrelang ins Leere flammte.
Gestern Abend, alle Lampen  waren schon gelöscht, nur  durch die Ritzen der Holzstäbe von der, über eine funzelige Birne gestülpten, chinesischen Tasche im Flur fiel noch ein wenig Helligkeit auf die Dielen und  das  Deckenlicht über dem grünen Ledersofa spendete ein wenig Orientierung. Ich war barfuß und schon im Schlafanzug und suchte nach einer Strategie, ohne Hilfsmittel und Schuheanziehen mein in der hintersten und dunkelsten Ecke des Wohnzimmers  auf dem Tisch liegengebliebenes Buch zu holen. Ich wollte schon aufgeben, saß schon auf dem Rand des  Ledersofas und streckte meinen Arm nach den Schuhen aus, aber dann rappelte ich mich wieder auf, hob die Arme, streckte sie so weit es ging seitlich neben mir aus und segelte leicht und erstaunlich aufgerichtet durch den bedrohlich dämmrigen Raum auf mein Buch zu, nahm es an mich und segelte ebenso zurück in die Sicherheit des Lichtes.



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