Freitag, 4. September 2015

Eingeschlossen


In einem Raum ohne geöffnetem Fenster zu schlafen, war mir seit je her unmöglich gewesen. Mindestens durch einen kleinen schmalen Spalt muss das Draußen rein ins Zimmer, brauche ich den feinen Strom der Nachtluft am Gesicht. An warmen Nächten im Camping Bus möchte ich am liebsten nur ein dünnes Tuch vor der offenen Schiebetür.
Mein kleiner Bruder hat Angst vor Überfällen, möchte den Bus verrammeln. Am ersten Abend unserer Reise verbrachten wir die Nacht auf einer Autobahnraststätte kurz hinter Stettin in der Sicherheit zwischen zwei ruhenden Sattelschleppern. Alle Türen waren elektronisch verriegelt, nur im Dach  war eine winzige Klappe geöffnet.
Unserer nächster Nachtplatz lag im Kiefernwald dicht am Meer. Wir konnten das Meer hören. Kurz vorm Wegdämmern fuhren wir hoch, lauschten mit beiden Händen auf der Matratze abgestützt einem huschenden Geräusch um den Bus. Mein Bruder mühte sich mit dem Türöffner ab. Es war das mehrmalige Summen und Klacken des Türöffners zu hören, klack summ klack summm...Die Tür blieb verschlossen.
„, Wir sind eingeschlossen!“ die Augen aufgerissen, seine Stimme panisch, starrte er in mein Gesicht.  
Dann  ließ er sich  wieder auf die Seite fallen, um Schwung zu holen, sich endgültig  hoch zu wuchten.
Das Geräusch war jetzt auf der anderen Seite des Busses, direkt vor der Schiebetür. Entschlossen stand er davor, den Türöffner dicht vor seinen brillenlosen Augen. Klacksumm, klacksumm.
 Jetzt knackte es in dem Schloss und die Tür wurde mit einem Griff  aufgerissen. Ich spürte den hereinströmenden Luftstrom.
„Unsere Stühle sind weg! Nein umgerissen!“
Es war nur ein Tier, etwa so groß wie ein Cockerspaniel. Vielleicht ein Fuchs. 
"Auf jeden Fall hatte das Tier einen Schwanz gehabt," murmelte mein Bruder bevor ich wieder einschlief  und dann  hörte ich noch das Klacksumm des Schiebetürverrammlers.




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