Sonntag, 18. August 2013

Sommerflöten






Gegen unseren Willen mussten sämtliche  Block- und Altflöten  mit in die Ferien,  obwohl sie  in Haus 7 zwischen den Tannen eindeutig  nichts verloren hatten. Völlig unmöglich schien uns das Herumstehen mit Flöte zwischen den Lippen, das Hineinblasen des Atems bei offener Sommertür, beim  Duft der Wiese, dem Geruch nach Seetang und Strandhafer.  Haus 7 gehörte den Tannen, den Booten mit  halb verwesten stinkigen Seesternen, in Spiritus eingelegten Wollhandkrabben und der in Eimern angerührten Quallenmatsche. Haus 7 gehörte auch der Hochseiltruppe Traber, den in Pappeln festhängenden Schnattern,  der Tapete mit dem immer wiederkehrenden Motiv des auf einem Bein hüpfenden Mädchens im bunten  Rock  ebenso wie der blau gepunkteten Schüssel mit Grießbrei, die  an Regentagen im Laufschritt von Amma im Schutze des kleinen Pfades zwischen Hüttenwand und tropfender Dachrinne  um die Hausecke herum  bis zum Esstisch mit der goldgelben Wachstuchdecke  getragen wurde.
Das dunkle Holz meiner Altflöte, ihre runden löchrigen Aussparungen für die Finger,  der doppelte runde Schmuckwulst am Mundstück, das blütenkelchig auslaufende untere Ende   fest im Schraubstock meiner  wütenden Knie, mit beiden Fäusten gepackt, eine Hand oben, die andere unten, zerrte ich  an ihrer tutigen Flötenseele bis das Holz splitterte.    
Am gleichen Tag noch brachte Hans Henning eine Regentonne ohne Boden und stabilen Draht zur Schienung der zerstörten Flöte. In der Nacht bin ich dann gemeinsam mit einem Lanki im Schlaf vom oberen Etagenbett gestürzt.

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