Wer mehr Tee trinkt, trinkt nicht so viel Wein. Um die Sache voranzubringen, hab ich mir zwei wunderschöne alte chinesische Teetassen bei E -Bay ersteigert. Rot wie Klatschmohn, hauchdünn, vor langer Zeit dezent bemalt von winzigen chinesischen Händchen, eine kleine und eine etwas größere. Ganz unmöglich ist es, in diese zarten Kostbarkeiten Wein rein zu schütten. Nicht mal auf die Idee würde ich kommen.
Brahmssofas, Theozangen, Zigeunergabeln, alte Chinatassen... Gebrauchsgegenstände
mit Geschichte sind Zauberer zwischen
den Welten. Als wäre es ganz bedeutungsvoll, seinen Hintern in die
gleiche Sitzkuhle hinab zu senken, die schon
Johannes Brahms eingedrückt hat, von einer Gabel zu essen, seine Finger
um deren Griff zu schließen, von der einst ein schönes junges Romamädchen mit wildem Haar gegessen hat, eine Zange zu verehren, weil ein verwegener charismatischer,
eine ganze Familie betörender Klempner,
der damals im Bruchhaus die Zentralheizung einbaute, sie bei uns liegenließ und
wir sie anbeteten wie einen Goldschatz.
Beim nächsten Schluck Tee, nein beim nächsten Schlückchen,
versuche ich meine neuzeitlichen, ziemlich dicken Finger mit besonderer Feinfühligkeit
um das dünne Porzellan zu legen. Mal
sehen, was mir so alles in die Finger kommt...
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