Dienstag, 29. Oktober 2013

Klitzekleines Erdbeben




Meine Füße und ich waren weder  im Gebirge noch in der Wüste noch  auf einer Insel in einem heißen Land. Wir waren beim Friseur.


Ab und zu gehen wir  da hin, obwohl alle Gesichter fahl und hässlich werden über dem unterm Kinn straff zusammengeschnürten schwarzen Frisierumhang unter den von der Decke hängenden nackten Glühbirnen.
Mir ist es scheißegal, ob ich eine fahle Gesichtshaut hab und meinen Füßen sowieso. Mein Kopf wird zwischen vorsichtige Hände mit lackierten Nägeln genommen, um ihn behutsam nach hinten ins Waschbecken zu legen. Mir wird  das handwarme Wasser aus der Stirn gestrichen und hinter meine Ohren und nach dem Haarewaschen ein blütenweißes Handtuch um den Kopf geschlungen und mit leichten Berührungen warmer  Fingerspitzen hinten im Nacken festgesteckt.
Wenn ich dann die Augen zumache und mir  ein wenig schwindlich wird, ist es  fast so aufregend wie ein  Erdbeben. 


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