Der Gang zum Friseur,
man sagte damals Haarschneider,
war niemals sehr beliebt.
Hingeschickt mit abgezähltem Geld
hockten wir dann meist noch auf dem Wartegestühl.
Ein Brett auf die Lehnen des Frisierstuhles gelegt
brachte uns auf Höhe.
Später wurden wir dann hochgepumt.
Ein Abziehleder hing noch an der Wand.
"Schwarzkopf" stand in der Vitrine.
"Fassonschnitt"
Und mit Seitenscheitel!
HJ war noch nicht lange her.
Gejohle. Verschämtes Lächeln. Roter Kopf .
7:30 morgens bieg ich um die Ecke.
Ein kleiner Herrenfriseur in einer Nebenstraße.
Relikt aus alter Zeit.
Der Meister steht oft vor der Tür und raucht.
Wassergefestigte Frisur, wenige Haare sorgfältig über den mittig kahlen Schädel gekämmt.
Alte Schule.
Platzgenommen und eingehüllt.
Hochgepumt ist nicht mehr nötig.
"Fasson oder Rund?"
"Fasson, wie immer."
"Ohren frei?"
"Ja bitte"
"Augenbrauen?"
Das Ding ist schnell erledigt.
Am Schluß noch das Rasiermesser
aus der Brusttasche gezückt.
Hier ritsch und da noch ratsch.
Ein Duftwässerchen hinter die Ohren getupft.
Der Spiegel zeigt den Hinterkopf.
"Sehr schön."
"Ring"
"14,00 Euro"
"15" und "Auf Wiedersehen"
Gejohle. Lächeln. Roter Kopf.
Und damals wie heute doch immer ein "Kleines Fest"
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