Dieses Bild habe ich ganz
deutlich:
Vati und Herbert standen sich im
Flur gegenüber
und brüllten sich an.
In der halb geöffneten Tür
dahinter stand Grete
und schrie ebenfalls.
Herbert war groß mit vollen
Haar und immer grau
gekleidet, Grete, kleiner, brünett, mit wirren
Haaren, etwas
ungepflegt. Herbert und Grete wohnten in dem
kleinen
Zimmer zwischen unserer Diele und dem Atelier, welches
später
dann Muttis Zimmer wurde. Ich habe dieses
damalige Zimmer nicht mehr
recht vor Augen, weiß auch
nicht, wie es darin aussah, und auch die
Tür, in der sich die
beiden Männer anbrüllten, sehe ich an einer
anderen Stelle,
als sie eigentlich sein müßte. Ich war wohl noch
recht klein,
und ich hatte Angst vor ihnen und diesen immer
wiederkehrenden Krach. Vielleicht wurde später auch
umgebaut.
Herbert und Grete hausten hier
in diesem einen Zimmer
mit ihrer kleinen Tochter, deren Namen ich
vergessen
habe, "Gelilein" ist möglich. Statt Miete zu
zahlen sollte
Grete im Haushalt helfen, denn Mutti mußte zur
Schule und
Vati arbeitete im Atelier an seinen Plastiken.
Diese Abmachung wurde aber von
Grete nicht eingehalten
Sie machte gar nichts, und es gab natürlich
Streit. Immer
wenn Herbert nach hause kam, er war Zugfahrer bei der
Hochbahn, gab es diese furchtbaren Auseinandersetzungen.
Ob es auch
zu Handgreiflichkeiten kam, weiß ich nicht
mehr.
Grete habe ich nur als zerzauste
etwas schmuddelige
keifende Ziege vor Augen, an deren Rockzipfeln
immer ihre
Tochter hing. Sie schimpfte aus ihrer Tür und knallte
diese
dann irgendwann zu, und dann kam Herbert
nach hause,
und am Ende knallte auch er die Tür.
Mit "Gelilein" haben wir nur
wenig, und wenn, nur in der
ersten Zeit gespielt. Sie war anders, und
später ging das
sowieso nicht mehr.
Ich kann mich nicht erinnern,
wie lange dieser Zustand
anhielt. Es ging wohl über Monate, und es
war eine große
Erleichterung, als sie endlich auszogen, und wir
haben nie
wieder etwas von ihnen gehört oder gesehen.
Grete war unser zweites
Kindermädchen. Vor ihr war
Helga da. Von ihr gibt es keine
greifbaren Bilder in der
Erinnerung. Ich glaube sie war blond und ein
Engel.
Später
kam einmal in der Woche eine Reinmachefrau. Frau
Höppner, genannt
"Höppi". Sie war nicht blond und auch
kein Engel. Sie war
dick und laut, und oft mit dem Schrubber hinter uns her, hat es aber
nie wirklich böse gemeint. Sie sollte uns lange begleiten.
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