Dienstag, 12. November 2013

Zauber( berg) bett





Ich lag einige  Tage im Bett wegen einer heftigen Mandelentzündung. Das  ungewohnte, durch ein nicht zu bekämpfendes Schwächegefühl erzwungene Darniederliegen hat mir nach dem Überstehen des anfänglichen  extremen Elendsgefühls ausnehmend  gut gefallen.
Der Genuss des Rückzuges aus der Welt mit all ihren Anforderungen war überwältigend. Zwischen Matratze, aufgestelltem Kopfkissen und dem winterlichen Federbett, neben dem Tablett voller Taschentücher, Kopfschmerztabletten und Gurgellösung und den nur kurzen notwendigen Ausflügen zum Klo oder in die Küche eröffnete sich mir eine überraschend verführerische Welt. Nach den ersten zwei Tagen, die ich abwechselnd schlafend und elend im abgedunkelten Zimmer verdämmerte, entwickelten  sich die Tage der Rekonvaleszenz unter diesen Bedingungen  fast zur wünschenswerten  Zukunftaussicht. Ich hätte glatt so weiter machen können. Etappen wohligen Wegdämmerns unterbrochen von kurzen Wachphasen, die ich wahlweise mit einem Buch  schräg gegen meine  aufgestellten Knie oder mit dem Lapptop on the top of my lap verbrachte, um mich nach kurzer Zeit der Konzentration wieder auf die Seite zu drehen, die Augen zu schließen und mich erneut abzumelden aus der Welt wichtigen Tuns, dauernder Präsens  und ständiger Bereitschaft für die Belange des Lebens.
Und es war ein bisschen wie Masern haben, wie ich damals in meinem Alkoven im Kinderzimmer unterm Reetdach lag am hellichten Tag,  dem Rumoren  unten in der Diele zuhörte, vereinzelte  Rufe aus dem Garten zu mir herauf drangen, bevor  ich hin- und her gerissen zwischen dem Wunsch die Treppe runter durch die Diele in den Garten zu laufen und  meiner seligen Müdigkeit   wieder  einschlief.





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