Montag, 3. Februar 2014

Echo


Unser Sohn hatte als kleiner Junge die Angewohnheit, die letzten Silben seiner gesprochenen Worte noch einmal mit stummen Lippenbewegungen zu formen, als müsse er sich des Ausgesprochenen noch einmal vergewisssern, ihnen Gewicht und Würde verleihen.
Ein anderes  Phänomen des Widerhalls  begegnet mir nicht nur mit  Melodien, die mir zwischen Abend und Morgen nicht mehr aus dem Ohr gehen wollen, es betrifft auch gesprochene Sätze aus Tags zuvor geführten Gesprächen, Fragmente einer Unterhaltung oder auch nur einzelne Gedankenstränge aus meinen eigenen, im Stillen mit mir selbst geführten Auseinandersetzungen zu Themen, die mich beschäftigen.
Wie ein lang anhaltendes Echo vom Einschlafen über die Stunden der Nacht hinweg rüber zum Erwachen, klingt in meinem Ohr nach, was mich etwas angeht. 
Im Grunde keine schlechte Entdeckung, denn auf diese Weise trennt mein inneres Echolot die Spreu vom Weizen, was angesichts der sich verkürzenden Lebenszeit umso wichtiger erscheint.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Echorufe in meinem Kopf sich weiterhin gesittet und übersichtlich auf das Wesentliche beschränken und nicht in einer Kakophonie von sich ineinander verhedderndem,  in die Quere kommenden  Geplärre mündet.


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