Leserbrief zur Kolummne von Tom Schimmeck „Am Gesicht kann man das erkennen“ in der Berliner Zeitung vom 1. 12 2014.
Lieber Herr Schimmeck,
Danke für Ihre Kolummne Ich habe sie mit großem Interesse gelesen und kann Ihnen nur vollends zustimmen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, ein Erlebnis aus den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu schildern, welches mir nie aus dem Kopf ging, und mit der obigen Bemerkung Biermanns gegenüber Frau Karawanski große Parallelen aufweist.
Vorab möchte ich bemerken, dass ich, im Gegensatz zu Ihnen, nie ein großer Verehrer dieses Herren war. Seine Eitelkeit und Selbstverliebtheit hat mich schon als junger Mensch eher abgestoßen und skeptisch gemacht. Dass dieser jetzt in einer Feierstunde des Deutschen Bundestages frei gewählte Parlamentarier beleidigen durfte, spricht nicht gerade für dieses, die feixende Regierungsbank und die Hilflosigkeit der Fraktion der Linken, machten mich sprachlos.
Nun zu dem Erlebnis vor nunmehr 37 Jahren. Es war auf einer Reise durch Sri Lanka 1977. Wir waren zu Gast bei einem singalesischem Teepflanzer im Hochland und saßen abends beim Gespräch mit diesem zusammen, in dessen Verlauf wir auch auf die beiden unterschiedlichen Volksgruppen des Landes, sprich die Mehrheit der Singalesen und die Minderheit der Tamilen, zu sprechen kamen. Er war kein Freund der Tamilen, sie waren für ihn minderwertig, das war klar herauszuhören, aber es war kein Hass darin zu spüren. Er sprach dann etwa folgenden Satz:
„ An den Ohren kann ich sie erkennen. Ich kann einen Singalesen von hinten an den Ohren von einem Tamilen unterscheiden“.
Wenig später brachen in dem Land die grausigen Progrome gegenüber der tamilischen Minderheit los, die dann in den langjährigen Bürgerkrieg des Landes mündeten. Sicherlich wird es in Deutschland nichts ähnliches gegenüber Anhängern der Linken geben, aber die Denke, die Denke ist die gleiche, das hat mir Herr Biermann mit seiner dummen Bemerkung klar vor Augen geführt, und unsere Regierung und unsere Parlamentarier haben sich bis heute nicht von so etwas distanziert.
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