Die Schlittschuhe habe ich, seit
meine Füße nicht mehr weiter wuchsen. Sie lagen auf meinem Weihnachtstisch, da
muss ich so sechzehn, siebzehn gewesen sein. Ich hab mir nie neue gekauft,
obwohl ich bald neunundfünfzig Jahre alt
werde. Jeden Winter hab ich die Kufen schleifen lassen, höchstens mal ein paar
neue Schoner hab ich mir geholt. Meine Schlittschuhe sind immer noch weiß
zwischen den dunklen Kratzern auf dem weichen Leder, nur um die Schnürsenkellöcher
haben sich gelblich-braune Ränder gebildet. Anfang Dezember hole ich sie aus
dem Keller, nehme die Jacken fort, die darüber hängen und fummel die
zusammengeknoteten langen Schnürsenkel von dem Haken über der Treppe ab.
Ich
schaue mir den Kufenschliff an, fahre mit den Fingern über den scharfen Metallgrad und ziehe die Socken mit den Polstern für die
Knöchel aus den Schuspitzen hervor.
In milden Wintern, wenn die Teiche in der Umgebung nicht zufrieren,
fahre ich alle zwei- drei Wochen Montags zusammen mit meinem Bruder zur
Eisbahn in die Stadt rein. Wir nehmen den Regionalzug um kurz vor sieben.
Mein Bruder hat neue Schlittschuhe
mit hartem, festen Kunststoffschaft und einschnappendem modernen Verschluß in
seinem Rucksack. Meine Schlittschuhe gucken entweder mit dem hinteren, lang
gestrecktem, sich zum Ende verjüngenden Teil ihrer Kufen, der Ecke eines Schaftes oder mit ihren Schuhspitzen aus meiner
Tasche raus. Sie sehen doch ziemlich ramponiert aus unter den Blicken der
Leute, wenn ich so damit in der Bahn herumfahre. Wir steigen St. Pauli aus, laufen einigen Minuten durch den Park zur Eisbahn. Dann drehen wir anderthalb Stunden unsere Runden, fahren unser eigenes Tempo, nehmen
verschiedene Kurven und Richtungen, begegnen uns, fahren eine Weile
nebeneinander her und trennen uns
wieder. Ein oder zweimal verlassen wir das Eis, stolpern auf den Kufen zum
Kiosk, holen uns einen Glühwein mit
Schuss, rauchen eine Zigarette zusammen und schauen aufs Eis. Das große
längliche Oval der Kunsteislaufbahn ist in zwei Teile geteilt. Im hinteren Drittel gibt es Trainingsstunden in Eiskunstlauf oder
Eishockey. Manchmal kann man auch einer Gruppe beim Eiskegeln zuschauen und mit Glück einem
Slalom Contest. Rechts vorne gibt es
eine Ecke, wo die Lernfiguren stehen. Etwa hüfthohe Kunststoffnachbildungen von
Schlümpfen, Walt Disney, Märchen und Tier Figuren mit Haltegriffen links und
rechts an den Köpfen.
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