Mittwoch, 21. Januar 2015

Scham


Ich habe ein Youtube Video aus Syrien gesehen. Nach einem Bombenangriff in Aleppo. Ein paar Männer hören etwas unter dem Schutt eines zerbombten Hauses. Sie scharren an einer Stelle, vielleicht  haben sie eine kleine Bewegung im Geröll bemerkt, den leisen Stoß eines Armes oder eines Beines, ein  Wimmern gehört.
Die Männer heben die Brocken, schreien und kratzen den Mörtelstaub weg. Es ist ein kleines Kind, vielleicht anderthalb Jahre alt. Erst ist nur ein Arm und der Kopf frei, die Männer brüllen, reden alle durcheinander. Einer zeigt dahin, einer an eine andere Stelle. Da, hierhin, nein eher da unten. Sie sprechen sich nicht ab. Das Freudengebrüll ist unglaublich, als langsam auch der Brustkorb aus dem Geröll herausragt.  Der kleine Toddler schreit überhaupt nicht. Ein Mann reibt ihm mit beiden Händen den Oberkörper, die Ärmchen, umfasst ihn von hinten, küsst ihn, umarmt ihn. Das Kind  beginnt, abwehrend seine Hände vors Gesicht, vor die Augen  zu halten. Noch ist es vom Nabel abwärts eingeklemmt. Es weint immer noch nicht. Seine Kleidung ist blutig. Es muss Schmerzen haben und Mörtelstaub in Augen, Ohren und Mund.
Die Männer schreien, das Kind ist still.
Es ist mir unmöglich, auf „gefällt mir“ zu gehen, obwohl das Kind äußerlich unversehrt aus den Trümmern geborgen  wird.


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