Montag, 26. Oktober 2015

Nasobema lyricum


Ich sehe ein Bild von der nicht mehr jungen Erika vor mir, wie sie in der Abendämmerung auf der Terasse in ihrer „dümmlichen Ecke“ saß, ihren Nacken massierte, den Kopf mit dem kurzen schon hell schimmernden Pagenschnitt in alle Richtungen hatte kreisen lassen, während sie mit dem Küchenmesser, an dem noch Rotkohlreste hingen, auf eine gerade aufgeblühte Nachtkerze im Beet vor der Terrasse zeigte.
Dann war ihr ein Haar in den Mund geraten. Noch mit dem Kohlmesser in der Hand hatte sie versucht, es mit Daumen und Zeigefinger  zu fassen zu kriegen. Sie hatte mehrmals ins Leere gegriffen, ihre Lippen und ihre Zunge waren unbeholfen herumgefahren, hatten hin und her gezuckt, von einer Seite auf die andere, um dem  blinden  Tasten der Finger zu  Hilfe zu kommen.
Das hatte mich traurig gemacht. Es war, als wäre ich unbefugt in mir verschlossene Räume eingetreten, als hätte ich einen kurzen Blick auf ihre vor uns verborgene Verlorenheit erhascht.
Auch ich muss meinen Kopf immer mal wieder vorne runter hängen lassen, weit nach hinten in den Nacken legen. So einen  Kopf muss man ja auch sein Leben lang festhalten. Wenn er denn allzu schwer wird, dann geht es mit ein wenig Übung vielleicht ja auch so:



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