Heute hab ich an Anna gedacht. Wir teilten uns ein Krankenhauszimmer in München. Spät abends bevor ich das
kleine Leselicht an meinem Kopfende ausmachte, legte ich mein Buch auf den Nachttisch neben mir und
wandte mein Gesicht zu ihrem Bett, schaute rüber zu ihr. Auf der Chromstange hinter ihrem Kopf
mit dem hellen fransig geschnittenen Bob
hing ihr hellbraunes Handtuch, in der gleichen Farbe wie das Muster ihres
Nachthemdes. Sie lag still unter dem über ihr herabhängenden Bettgalgen auf dem
Rücken und atmete ruhig und kaum wahrnehmbar. Manchmal hielt sie einen weißen
Becher Tee zwischen ihren kleinen Brüsten abgestellt. Die rechte Hand berührte leicht den Henkel, Zeigefinger und
Daumen der Linken umfassten den
Becherrand auf der anderen Seite. Ab und zu sackte sie in einen Sekundenschlaf
und ich hörte ihr zartes Schnarchen. Der weiße Becher kippte nicht zur Seite, ihre
Finger hielten ihn fest, er wurde mit
ihren Atembewegungen ganz leicht angehoben und wieder abgesenkt. So lag sie oft
fast eine Stunde.
Wenn sie las, setzte sie sich kerzengerade auf den Stuhl am Tisch,
den Rücken an die Lehne gedrückt, das aufgeschlagenen Buch auf der Tischplatte.
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