Samstag, 21. November 2015

Herzensangelegenheit


Als ich so ungefähr acht oder neun Jahre alt war, saß auf meinem Weihnachtsplatz unter dem Tannenbaum eine nagelneue Puppe mit langem seidigen Haar und Augen, deren Lider zuklappten, wenn man sie hinlegte und wieder hochklappten, wenn man sie aufnahm. Ich liebte aber doch meine alte etwas heruntergekommene Babypuppe Hansi, die ich im Arm hielt, stand stocksteif und unfähig Hansi wegzulegen und die neue Puppe an mich zu nehmen  verloren im Zimmer. Ich spürte die Blicke von  Mutti und Vati, von Onkel Hans und Amma, die in freudiger Erwartung auf meine Begeisterung über die viel schönere und kostbarere  neue Puppe auf mich gerichtet waren.
Da lag auch eine kleine hellblaue neue Strickjacke mit Kapuze für meinen Hansi neben der neuen Schönheit. Ich kniete mich hin und kleidete Hansi ziemlich umständlich in die neue Jacke.
Die neue Puppe saß bis spät am Abend unangerührt unter dem Tannenbaum. Kurz vorm Insbettgehen tappte ich barfuß und im Schlafanzug leise die Treppe hinunter, im Dunkeln schlich ich in die Weihnachtsstube und nahm vorsichtig die neue Puppe auf den Schoß. Ich strich ihr über die langen Haare, wickelte ihre weichen Locken  um meinen Zeigefinger und ließ ihre Augenlider auf und zuklappen. So saßen wir da in der Nacht bis meine Füße eiskalt waren. Dann schlichen  wir gemeinsam die Treppe hoch und krochen zu Hansi ins Bett. 



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