Samstag, 7. November 2015

Frühstück


Unser Freund hatte sich für ein Gitarren Workshop auf Sylt angemeldet. Er  kam in den Frühstücksraum seiner Unterkunft und hinten in einer Ecke am Fenster war ein freier Tisch, auf den er zusteuerte. Auf halbem Wege dirigierte die Frau vom Frühstücksservice ihn an einen Tisch, wo eine Frau mit dunkel getönten Brillengläsern vor ihrem Gedeck saß. So kurz  nach dem Erwachen mit dieser Frau  an einem Tisch zu sitzen war ihm unmöglich. Alle anderen Tische waren besetzt oder reserviert und er stand eine Weile unschlüssig mitten im Raum, an seiner Seite die aufmunternd blickende Servicedame, dann machte er kehrt und verließ den Raum. An diesem Morgen frühstückte er gar nicht.
Am nächsten Morgen geht er eine gute Stunde später runter, in der Hoffnung, die Frau mit der Sonnenbrille  sei schon gegangen. Der Tisch ist unbesetzt aber da stehen zwei Gedecke auf dem Tischtuch. Er ist doch nur einer, da kommt wieder jemand dazu. Er braucht dringend  einen Platz für sich alleine, wo er auf dem Tisch seine Zeitung ausbreiten kann,  seine zu klein geratenen Hände mal neben dem Gedeck ablegen, unbehelligt seine vom Schlaf verquollenen Augen schweifen lassen kann.
Schweren Schrittes nimmt er an dem Tisch Platz. In einem unbeobachteten Moment breitet er seine Zeitung über dem zweiten Gedeck aus und legt seine Lesebrille oben drauf. Erst dann trinkt er  klopfenden Herzens den ersten Schluck Kaffee und schneidet sein Brötchen auf.


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