Unser Freund hatte sich für ein
Gitarren Workshop auf Sylt angemeldet. Er
kam in den Frühstücksraum seiner Unterkunft und hinten in einer Ecke am
Fenster war ein freier Tisch, auf den er zusteuerte. Auf halbem Wege dirigierte
die Frau vom Frühstücksservice ihn an einen Tisch, wo eine Frau mit dunkel
getönten Brillengläsern vor ihrem Gedeck saß. So kurz nach dem Erwachen mit dieser Frau an einem Tisch zu sitzen war ihm unmöglich.
Alle anderen Tische waren besetzt oder reserviert und er stand eine Weile
unschlüssig mitten im Raum, an seiner Seite die aufmunternd blickende
Servicedame, dann machte er kehrt und verließ den Raum. An diesem Morgen
frühstückte er gar nicht.
Am nächsten Morgen geht er eine gute
Stunde später runter, in der Hoffnung, die Frau mit der Sonnenbrille sei
schon gegangen. Der Tisch ist unbesetzt aber da stehen zwei Gedecke auf dem
Tischtuch. Er ist doch nur einer, da kommt wieder jemand dazu. Er braucht
dringend einen Platz für sich alleine,
wo er auf dem Tisch seine Zeitung ausbreiten kann, seine zu klein geratenen Hände mal neben dem
Gedeck ablegen, unbehelligt seine vom Schlaf verquollenen Augen schweifen
lassen kann.
Schweren Schrittes nimmt er an
dem Tisch Platz. In einem unbeobachteten Moment breitet er seine Zeitung über
dem zweiten Gedeck aus und legt seine Lesebrille oben drauf. Erst dann trinkt
er klopfenden Herzens den ersten Schluck Kaffee und schneidet sein Brötchen
auf.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen