Montag, 13. Mai 2013

Kuckuck im Raps



Auf der abendlichen Fahrt durch den  Osten, auf Alleen zwischen alten dicht stehenden Linden, hinter denen rot glühende Wolkenfetzen treiben, müssen wir  in einer langgezogenen Kurve  in der Dämmerung einer von Pferden gezogenen Hochzeitskutsche hinterherfahren. Der Schleier der Braut fällt über ihre schmalen Schultern, bauscht sich kurz auf der Rückenlehne der Sitzbank und flattert dann an der Schulter des Mannes  entlang. Als wir gratulierend überholen, bin ich richtig enttäuscht, wie ich in die beiden nichts sagenden Gesichter blicke, wie sie so mit diesen einfachen Würstchenbudenmienen  unter Hut und Schleier vornehm dahinkutschieren, begleitet von dem unentwegten Kuckucksrufen aus den Baumgruppen der Umgebung.
Die Alleen sind eng, das tief von der Seite einfallende letzte Sonnenlicht wird in schnellem Wechsel von den Stämmen der Linden verschluckt und wieder freigegeben. Rhythmisch verdunkelt sich das Wageninnere,  wie auch die vorbeifliegende Straße, die Rapsfelder, die Dachflächen einer Siedlung, einer verfallenen Scheune.
Wir fahren an  kleinen Holzkreuzen vorbei, an aufgestellten Warnschildern mit der Aufschrift KEIN ORT ZUM STERBEN und ich denke darüber nach, welcher Ort denn zum Sterben so richtig gut taugen würde.  

                     
               

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