Ich gehe auf dem Kopfsteinpflaster auf
das Gut zu.
Links liegt die große Scheune, rechts
die beiden Deputatshäuser, alles fast unverändert.
Wer hat hier alles gewohnt: Gaby,
Dietrich, Bianca, Fietze, Tinka, Paul, der Schweinemeister mit seiner
Freundin Astrid, Die anderen Namen habe ich vergessen. Heute, an
diesem Januarmorgen, ist hier niemand zu sehen.
Ich gehe weiter. Das Gut liegt rechts,
gewaltig groß und unverändert. Ich biege links ab und gehe auf die
Felder zu, vorbei an dem riesigen Güllebehälter. Voraus, hinter dem
Acker, liegt das kleine Waldstück, in das Jans Papierdrachen, den
wir zusammen gebaut hatten, damals gestürzt war. Das Gestell hängt
wahrscheinlich immer noch oben im Baum. Ich werde ein andermal
nachsehen. Vorm Acker biege ich rechts ab. Den kleinen Weg hier, der
vom Dorf zu unserem Haus führte, gibt es nicht mehr.
Ich stapfe mühsam über das Feld.
Das
Haus ist schon zu sehen. Es ist viel höher als damals, mit großen
modernen Fenstern, auch im ersten Stock, wo wir nur armselige kleine
Fenstergauben, aus Dachlatten grob gezimmert, hatten. Es sieht jetzt
fast aus, wie ein Mehrfamilienhaus, gelb gestrichen, und passt
irgendwie nicht hierher. Eine Rutsche steht im Garten und ein
Grillkamin. Ich komme vorbei an dem kleinen Fichtenwäldchen, der im
Frühjahr voll mit Schneeglöckchen war.
Kurz vor dem Hausgrundstück stoße ich
auf Reste des Betonweges, der ums Grundstück führte, heute
überwuchert von Brombeergestrüpp und abgestorbenem Gras. Ich gehe
auf ihm an der Grundstücksgrenze entlang, denke an die blaue
Pudelmütze, die Dietrich immer trug, wenn er uns abends besuchen
kam. Sie war das erste, was wir von ihm sahen. An der Grundstücksecke
komme ich nicht weiter. Undurchdringliches Gestrüpp versperrt mir
den Weg. An dieser Stelle sind Jan und Inga mit ihren Bobbycars
gestartet, um den sanften Hügel auf den Betonplatten
hinunterzufahren.Wie oft waren ihre Schuhe davon
kaputtgegangen.
Ich gehe weiter, außen um den kleinen Teich herum.
Das Wasser ist wie damals rostig braun vom eisenhaltigen
Brunnenwasser, das hier hineinläuft. Ich sehe die kleine Brücke
über den Fluß. Sie wird nicht mehr benutzt. Das Geländer ist
verrostet. Eine Holzpforte hängt vermodernd zur Seite. Ich schaue
zurück. Der Werkstattschuppen ist unverändert, aber das Haus ist
ein anderes. Ein protziger Giebel geht nach vorn hinaus mit einer
großen Eingangstür. Dort befand sich unsere winzige Tür, durch die
wir vom Wohnzimmer in den Garten kamen.
Die Fichten sind riesig. Zwei
Sportwagenwracks stehen im Garten von Planen abgedeckt. Eine breite
Eisenbrücke führt über den Fluß zum Haus. Ich stehe vor dem
zweiflügeligen Tor, die blaue Farbe abgeblättert, aber elektisch zu
öffnen und zu schließen. Ein amerikanischer Briefkasten, darunter
zwei Klingeln mit Namensschildern. Ich trete näher. Namen sind keine
zu erkennen.
Das Rauschen des Flusses ist geblieben.
Frau Schäfers Haus ist unverändert, auch der Garten und der
Karpfenteich. Ich gehe zurück ins Dorf, entlang der kleinen
neugebauten Anliegerstraße entlang der Autobahn. An der Seite
vermodert ein Packen noch gebündelter Zeitungen. An den großen
Kastanien im Dorf klimpern kleine silberne Marken mit Nummern.
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