Heute morgen am Bahnhof, als ich den
Schlüssel fürs Fahrradschloss aus der Hosentasche zog, fiel es
heraus und lag dann da auf dem Boden. Das halbe Herz. Ein kleines Stück aus Holz, nur wenige Centimeter groß. Ich hob es auf
und steckte es wieder ein. Später merkte ich, dass ich ganz froh
darüber war, es bemerkt zu haben. Es hätte mich bekümmert, wäre
es verlorengegangen.
Vor ein paar Wochen fand ein polnischer
Mitarbeiter ein kleines rotes Holzherz in einem zu bearbeitenden
alten Möbelstück. Es war ein einfaches leichtes Herz, ohne Wert,
aus dünnem Sperrholz, mit Tusche rot bemalt, wohl mal als
Weihnachtsschmuck gedacht, oder als kleine Bastelei eines Kindes,
normalerweise etwas für den Mülleimer. Mein Arbeitskollege, mit dem
ich mich gut verstehe, aber sonst nicht viel zu tun habe, zu weit
sind wir in allem auseinander, nahm kurzerhand dies Holzherzchen,
schnitt es mit der Säge in zwei Teile und reichte die eine mir mit
den Worten: „Halbe Herz für gute Kollege“.
Wir lachten beide und steckten jeder
unsere Hälfte in die Hosentasche, und hin und wieder, wenn es
Streit gibt, oder oftmals einfach so, greift dann der eine in die Tasche, holt seine Hälfte hervor, und wenn dann der
andere hastig die seinige hervorgenestelt hat, und sie triumpfierend
in die Höhe hält, wird herzlich gelacht, und alles ist gut.
Ein
albernes kleines Spiel.
Doch als die meinige Hälfte heute am Bahnhof
auf dem Boden lag, war mir auf einmal klar, wie wertvoll mir diese
kleine Holzstück ist.
Es ist jetzt wieder da, wo es hingehört. In
der linken vorderen Tasche meiner Arbeitshose. Ich werde besser darauf achten. Ich möchte es nicht verlieren.
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