Dienstag, 9. September 2014

Schön



Die Räder meines neuen Fahrrades sausten über den glatten Asphalt des Radweges, verursachten ein leises gleichmäßiges Surren. Ich sah kurz auf, rüber über die breite Straße und hinunter in die Senke und auf das Wasser des fast zu einem kleinen Fluß sich verbreiternden Baches neben der Straße. Zwischen zwei Büschen hindurch sah ich die Skulptur eines etwas übergroßen Reihers, der  auf einem ins Wasser ragenden Steg oder ähnlichem platziert war. Regungslos, die  dunklen Flügel still und weit ausgestreckt zu beiden Seiten über das Wasser gestreckt. Auch meinem zweiten kritischen  Blick durch die  nächsten vorbei fliegenden Büsche  bot sich der unveränderte Anblick eines zwar außergewöhnlich gelungenen, aber  eindeutig im Baumarkt oder im Gartencenter gekauften und dort in Szene gesetzten und montierten Plastikreihers.
Ich schaltete zwei Gänge hoch, entsprechend meiner aufkeimenden Empörung über dieses Enttäuschungsszenario,  nahm Geschwindigkeit auf, und war eigentlich schon vorbei. Da wollte ich mich nochmal vergewissern, mich endgültigund abschließend von seiner Unechtheit  überzeugen. Ich schaute über meine Schulter zurück, suchte die aufgerichtete reglose Kunststofffigur und sah  die atemberaubend lebendige, dreimal ruhig mit den Flügeln schlagende Gestalt eines Reihers abheben. Schön.


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