Je weiter wir nach Osten fahren, desto häufiger ragen an den Wegbiegungen drei
bis vier Meter hohe wuchtige Holzkreuze in den Himmel. Am Kreuzungspunkt der
Balken die winzige silberne oder
bronzene Figur des geschundenen Jesus. Wie ein verirrtes zerschmettertes Insekt
klebt er am dunklen Holz.
Ein alter grüner Motorroller mit halb
abgerissenem Schutzblech lehnt am senkrecht aufragenden Pfahl, unangeschlossen abgestellt
im Schutz des Gekreuzigten, sein Lenker
halb um den Mast gewunden wie in einer Umarmung.
Jedes mal, wenn mir dieses Foltersymbol der christlichen Menschheit vor die Augen kommt, geh ich
innerlich auf Abstand zu der Religion, die die Qual als ihr Mahnmal an jeder
Ecke ausspuckt.
Als ich aber im Vorbeifahren über
diesen vertrauensvoll an den Marterpfahl angeschmiegten Motorroller nachdenke, geht es nicht mehr um die Art des
Symbols. Es hätte auch ein Krischna, ein Buddha, das Schutzdach einer kleinen Moschee oder ein Davidsstern sein
können, in dessen Obhut der Besitzer seinen kleinen Roller hingestellt hat. Man muss schon kalten Herzens sein, um dieses Anvertrauen mit Füßen zu treten. Gut gemacht! Einen besseren Platz für Deinen Gefährten hättest Du nicht finden können.
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