Dienstag, 25. August 2015

Kreuzungspunkte





Je weiter wir nach Osten fahren, desto häufiger  ragen an den Wegbiegungen drei bis vier Meter hohe wuchtige Holzkreuze in den Himmel. Am Kreuzungspunkt der Balken  die winzige silberne oder bronzene Figur des geschundenen Jesus. Wie ein verirrtes zerschmettertes Insekt klebt  er am dunklen  Holz.
Ein alter grüner Motorroller mit halb abgerissenem Schutzblech lehnt am senkrecht aufragenden Pfahl, unangeschlossen abgestellt im Schutz des Gekreuzigten, sein Lenker  halb um den Mast gewunden wie in einer Umarmung.
Jedes mal, wenn mir dieses  Foltersymbol der christlichen Menschheit vor die Augen kommt, geh ich innerlich auf Abstand zu der Religion, die die Qual als ihr Mahnmal an jeder Ecke ausspuckt.
Als ich aber im Vorbeifahren über diesen vertrauensvoll an den Marterpfahl angeschmiegten Motorroller  nachdenke, geht es nicht mehr um die Art des Symbols. Es hätte auch ein Krischna, ein Buddha, das Schutzdach einer kleinen Moschee  oder ein Davidsstern sein können, in dessen Obhut der Besitzer seinen kleinen Roller hingestellt hat. Man  muss schon kalten Herzens sein, um dieses Anvertrauen mit Füßen zu treten. Gut gemacht! Einen besseren Platz für Deinen  Gefährten hättest Du nicht finden können.




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