Donnerstag, 13. August 2015

Unwegsames Gelände



Der kleine wunderschön abgelegene Zeltplatz liegt an einem tief blauen fast türkisen Gebirgssee im französischen Zentralmassiv. Er ist auf vier Terassen angelegt und unser Bulli steht auf einer der mittleren Ebenen fast ganz am Ende des Weges.
Wohin ich auch gehen möchte, ob ich aufs Clo muss, es mich zum See runter zieht oder die kleine Bar mich lockt, muss ich entweder den unwegsamen, mit störrischem Gestrüpp und fußangeligen Rankerwurzeln bewachsenen Wall hinter unserem Bus hochklettern oder aber an der Reihe der Camper links von unserem Platz entlanghumpeln, muss mir zwischen auf dem Rasen liegenden Handtüchern meinen Weg suchen, um die in den Weg ragenden Tische, Boote, Schwimmtiere und Campingstühle herumtaumeln.
Meistens warte ich, bis alle zum Wasser runter gegangen sind oder für einen Drink hoch in die  kleine Bar. Jetzt ist früher Nachmittag, meine Tasche ist gepackt, die Weinflasche, Schwimmzeug, mein Buch und Handtücher verstaut, alle sind unterwegs, der Weg wäre frei für mich, nur unsere direkten Nachbarn, ein holländisches älteres Paar, sitzen seit dem Frühstück an der gleichen Stelle direkt auf dem schmalen Spalt zwischen ihrem dicken Wohnwagen und den Zelten auf der anderen Seite des Weges. Sie schauen auf das imposante fast 2500 m hohe Bergmassiv, das hinter dem Wasser  aufragt.
Je länger sie da so sitzen, umso blöder erscheinen mir die Profile ihrer Gesichter, umso plumper ihre Gestalten, schuppiger ihr Haar und fahler ihre von der Sonne ausgedörrte Haut.
Sogar die gewaltigen Berge, auf die ihre starren Blicke hinter den Sonnenbrillen gerichtet sind, verlieren ihre Schönheit und schrumpfen zu dumpfen grauen Steinbrocken zusammen, der herrliche klare See droht zu kippen, zu einer öden  Wasserlache zwischen Steinwülsten zu verschwimmen.
Ich entscheide mich für  den Wall, und wenn ich ihn auf allen Vieren nehmen muss.



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